Dr. Gerrit Fröhlich
Theorie, Praxis &
Projektmanagement
Als promovierter Mediensoziologe mit einem Vordiplom in Wirtschaftsinformatik bin ich seit 2023 am Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) in Trier tätig.
Meine soziologische Forschung widmet sich unter anderem medienbasierten Selbsttechnologien: Wie nutzen Menschen Medien zur Selbstorganisation? Welche Wirkung entfalten Medien während der Nutzung? Wie viel Spielraum bleibt den Nutzenden im Umgang mit Medien, Normen und Technologien? Mich interessiert kurzum das Verhältnis zwischen dem, was in medialen Artefakten eingeschrieben ist, und dem, was Nutzerinnen und Nutzer in der Praxis daraus machen. In meiner Dissertation bin ich diesen Fragen theoretisch und medienhistorisch nachgegangen, bevor meine anschließende Forschung zu digitaler Kommunikation sowie zur Materialität des Digitalen mich schließlich in einen IT-nahen Bereich zurückgeführt hat.
Am ZPID, der zentralen Infrastruktureinrichtung für die deutschsprachige Psychologie, verantworte ich in einer Doppelrolle als Informationsspezialist und Product Owner eine Publikationsplattform für Fachjournals. Zu meinen Aufgaben an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und digitaler Infrastruktur gehören neben dem Support und dem operativen Betrieb der technischen Plattform vor allem strategische Entwicklung, Struktur und Planung, Koordination mit anderen Produkten, Mitarbeiterführung sowie die Beratung internationaler Herausgeberteams. Parallel gebe ich weiterhin Lehraufträge an der Universität Trier, aktuell zum Thema „Was war die Öffentlichkeit? Zum Wandel digitaler Plattformen, Kulturen und Sozialfiguren“
Theorie
Ein primärer Schwerpunkt meiner theoretischen und empirischen Arbeit liegt neben der allgemeinen Medienwirkungsforschung vor allem auf medienbasierten Selbsttechnologien: Praktiken, in deren Rahmen Menschen Medien einsetzen, um sich selbst zu erkennen und das eigene Leben „in Ordnung zu bringen“. Wer an sich arbeiten will, greift beispielsweise auf Tagebücher, Listen und Vorher-Nachher-Bilder zurück, immer häufiger aber auch auf Smartwatches oder Diät-Apps. Im Rahmen meiner Dissertation konnte ich zeigen, wie das narrative Tagebuch um 1800, die apparativen Körpermedien um 1900 und das Selftracking der Gegenwart jeweils unterschiedliche, aber durchaus in einer Kontinuität stehende Formen dieser Selbstführung durch Medien darstellen: Jede Epoche mit charakteristischen Wissensformen, Affordanzstrukturen und Spannungsfeldern zwischen der Übernahme der in diese Medien eingeschriebenen Normen und ihrer spielerischen Überschreitung. Gerade der Bereich des Digitalen umfasst darum sowohl die Analyse der in den Medien eingeschriebenen Verwendungsformen als auch die Praktiken der Nutzung, in denen sich ein Eigensinn entwickeln kann, der von den Medien nie vollständig determiniert wird.
Weitere Forschungsinteressen umfassen Analysen der Populärkultur (insbesondere der Kultur digitaler Spiele), digitale Plattformen und ihre Eigenlogiken, das Verhältnis von Nachahmung und Distinktion in Konsum und Populärkultur sowie Fragen digitaler Souveränität. Methodisch arbeite ich mit qualitativen Interviews, Nutzungsprotokollen, Netnographie sowie Medieninhalts- und Affordanzanalysen.
2021
2018
2014
Praxis
Nachdem ich mich als Mediensoziologe zunehmend mit Themen wie Mensch-Technik-Interaktion, Interfaces und digitaler Materialität befasst hatte, nutzte ich 2023 die Chance, von der Forschung in die Forschungsinfrastruktur zu wechseln und so zumindest teilweise an meine frühe Vergangenheit in der Wirtschaftsinformatik anzuknüpfen. Als Informationsspezialist wirke ich an der Schnittstelle zwischen digitaler Infrastruktur und ihren Nutzenden und verbinde wissenschaftliche Perspektive, technische Betreuung und den Transfer in die praktische Umsetzung. Am ZPID in Trier – der zentralen Infrastruktureinrichtung für die Psychologie in den deutschsprachigen Ländern – verantworte ich eine Open-Access-Publikationsplattform für psychologische Fachzeitschriften. Ich vermittle zwischen den Beteiligten, entwickle und optimiere Workflows und begleite neue Features vom Konzept in die Praxis. Die wechselseitige Interaktion zwischen Plattform und dem „Eigensinn“ der Nutzung erlebe ich hier in der Praxis und arbeite mit daran, diese Reibung so gering wie möglich zu halten. Zur täglichen Arbeit gehört außerdem die inhaltliche und technische Beratung internationaler Herausgeberteams sowie interner wie externer Stakeholder zu Open-Science-Standards, Publikationsrichtlinien, Lizenzfragen und urheberrechtlichen Rahmenbedingungen und vielem mehr.
Projektmanagement
Projektverantwortung, Teamkoordination, vorausschauende Planung sowie die Konzeption und strukturierte Umsetzung von Ideen begleiten mich über meine bisherigen Rollen hinweg. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Konsum- und Kommunikationsforschung habe ich über mehrere Jahre Lehrveranstaltungen konzipiert und geleitet, Tagungen und Workshops organisiert, wissenschaftliche Hilfskräfte eingestellt und koordiniert sowie Drittmittelanträge mitverantwortet. Im DFG-geförderten Projekt „Digitale Selbstvermessung“ übernahm ich neben der wissenschaftlichen Arbeit die Planung und Steuerung des Projektablaufs, was ich durch eine Scrum-Zertifizierung professionalisiert habe. Die Kombination aus inhaltlicher Verantwortung und operativer Koordination in den vorangegangenen Projekten hat mich zur Rolle des Product Owners geführt, wo ich ein interdisziplinäres Team mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen leite.
3/2023
2023
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2011
2003